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Lektionstext

Wie werden die Preise für eine Aktie ermittelt?

Nicht selten kommt es vor, dass man vom Traum des schnellen Geldes getrieben, in den Wertpapierhandel einsteigt, und diese elementare Frage nicht beantworten kann. Aber dennoch ist es genau dieser Denkansatz, der die allseits bekannten -Trendbrüche- und -dynamischen Ausbrüche- erst verständlich machen. Daher widmet sich dieser Text der Frage:

Wie funktioniert die Preisermittlung?

Zur Vereinfachung stellen wir uns einen idealisierten Handelstag vor. Zudem muss geklärt werden, welche Kaufarten (Order) es gibt.

Orderarten


Market:

Man kauft/verkauft eine Aktie zum aktuellen Bid/Ask-Kurs. Die Differenz zwischen beiden Werten nennt man Spread.

Stopp:

Man kauft (wird ein gestoppt) eine Aktie, sobald der Kurs über das festgelegt Niveau steigt, bzw. verkauft die Aktien (wird aus gestoppt), wenn der Kurs unter den gesetzten Wert fällt.

Limit:

Man kauft eine Aktie im Falle eines Sinkens oder Unterschreitens des Kurses eines vorher festgelegten Kurses, bzw. verkauft die Aktie, wenn sie ein Bestimmtes Kursniveau erreicht.

Die Preisermittlung

Nehmen wir an, wir befinden uns zeitlich kurz vor der Eröffnung der Börse nach dem Wochenende. Es haben sich viele Order über die freien Tage angehäuft und werden nun nach Volumina abgearbeitet. Das heißt: Es findet eine Preisfeststellung dort statt, wo das jeweilige Handelsvolumen am höchsten ist.

Dies wird an einem komplexen Beispiel verdeutlich.

Es wollen je 2 Personen per Limit, Stopp und Market Order kaufen, bzw. verkaufen. Der letzte Schlusskurs war genau 100€. Die jeweilige Kapitalisierung sehen Sie in nachfolgender Tabelle, bei der jede Transaktionen einen Marktteilnehmer darstellt:

Kauf per Stopp bei € Verkauf per Stopp bei €
15 > 105 12 < 95
8 > 107 14 < 93
       
Kauf per Limit   Verkauf per Limit  
10 < 95 7 > 103
7 < 93 12 > 105
       
Kauf per Market   Verkauf per Market  
15 100 13 100
7 100 10 100
Nun wird überprüft, wie hoch das Volumen bei welchem Preis wäre, das heißt - Wann werden am meisten Aktien den Besitzer wechseln können. Dazu obige Tabelle um 2 Spalten ergänzt. Dabei steht die Mögliche Anzahl für jenen Wert, der Maximal auf der Gegenseite zur Verfügung steht, um das Angebot, welches der jeweilige Marktteilnehmer aufgegeben hat, zu erfüllen. Die ersten 3 Zellen der ersten Spalten besagen also: Die Anzahl von 15 Stück zu einem Preis von 105 € oder mehr (Stopp-Order), können 37 Stück verkauft werden, wobei 42 Stück für diesen Preis zum Kauf Gesamtmarkt sind.

All jene Akteure möchten mit Gewinn vom Handelsparkett gehen und haben ebenso alle ihre eigenen Strategien, wie sie das am besten erreichen. Hier, in der Börsenuni befassen wir uns vor allem mit der technischen Analyse der Finanzmärkte, um erfolgreich handeln zu können. Denn diese hat den Vorteil, das wir auf einen Großteil der psychischen Komponenten im Markt eingehen können.
Kauf per Stopp bei € Anzahl
Kauf (Verkauf)
Verkauf per Stopp bei € Anzahl
Verkauf (Kauf)
15 > 105 37 (42) 12 < 95 35 (32)
8 > 107 45 (42) 14 < 93 49 (39)
           
Kauf per Limit     Verkauf per Limit    
10 < 95 32 (35) 7 > 103 30 (22)
7 < 93 39 (35) 12 > 105 42 (37)
           
Kauf per Market     Verkauf per Market    
15 100   13 100  
7 100 22 (23) 10 100 23 (22)

Nun sieht man, dass das höchste Handelsvolumen bei 107,01 € stattfindet, da 42 Aktien gehandelt werden. Es treten dafür folgende Marktteilnehmer auf. 15 Stück per Stopporder werden gekauft, da der Wert höher als 105 € ist. 8 Stück werden gekauft, da der Kurs höher als 107 € ist. Und dann kommen noch die beiden Teilnehmer zum Zuge, welche mit 15 und 7 Stück per Market-Order kaufen wollen. Somit ergibt sich ein Kaufvolumen von 45. Ihm gegenüber steht ein Verkaufsvolumen von 42 Stück gegenüber. Es ergibt sich aus den 23 Market-Verkauf-Aktien und den beiden Limit-Verkäufern. Somit wird die erste Kursfeststellung 107,01 € betragen und somit haben wir den ersten Tick (Handelspreisänderung) des Tages. Nun fallen die 42 Käufer aus dem Orderbuch. Nun wird weiter abgearbeitet. Ein Blick auf die neue Tabelle:

Kauf per Stopp bei € Anzahl
Kauf (Verkauf)
Verkauf per Stopp bei € Anzahl
Verkauf (Kauf)
0 > 105 0 12 < 95 12 (10)
3 > 107 3 (0) 14 < 93 14 (17)
           
Kauf per Limit     Verkauf per Limit    
10 < 95 10 (12) 0 > 103 0 (3)
7 < 93 17 (26) 0 > 105 0 (3)
           
Kauf per Market     Verkauf per Market    
0 100   0 100  
0 100 0 0 100 0

Nun beschreibt die Tabelle, das bei der Annahme, dass keine weiteren Marktteilnehmer hinzukommen, eine erneute Preisfeststellung von 92,99 € eintritt. Zurückzuführen auf die Transaktion der Kauf-per-Limit und Verkauf-per-Stopp-Order. Der nächste Tick würde nun von den neuen Marktteilnehmern abhängig sein:
Kauf per Stopp bei € Anzahl
Kauf (Verkauf)
Verkauf per Stopp bei € Anzahl
Verkauf (Kauf)
0 > 105 0 0 < 95 0
3 > 107 3 (0) 5 < 93 5 (0)
           
Kauf per Limit     Verkauf per Limit    
0 < 95 0 0 > 103 0 (3)
0 < 93 0 (5)  0 > 105 0 (3)
           
Kauf per Market     Verkauf per Market    
0 100   0 100  
0 100 0 0 100 0
Angenommen, es würde auf Grund des niedrigen Kursstandes jemand panikartig verkaufen, so kommt es bei einer 10-Stück-Market-Order zu einem erneuten Anstieg auf 107,01 €, da nun ein Handel stattfinden kann. Ebenso hat eine Kauf-Market-Order das Resultat, dass der Kurs wiederum bei 92,99 € festgesetzt wird. Dies Beispiel ist natürlich stark überspitzt und findet bei Volumenstarken Werten keine Anwendung, jedoch kann bei manch exotischem Nebenwert ein solches Szenario eintreten. Daher ist darauf zu achten, im Falle eines eher kurzfristigen Anlagehorizontes nur Umsatzstarke Werte in sein Portfolio aufzunehmen.

(CJ)